Der Zug des Lebens

Seitdem mir vor Jahren jemand vom Zug des Lebens erzählt hat, kann ich nicht aufhören, darüber nachzudenken. Denn irgendwie ist es keine Geschichte, sondern es ist das Leben.

Das Leben ist wie eine Zugfahrt, mit all den Haltestellen, Baustellen, Umwegen, Umleitungen und Unglücken. wir steigen ein, treffen unsere Eltern und denken, dass sie immer mit uns reisen, aber an irgendeiner Haltestelle werden sie aussteigen und wir müssen unsere Reise ohne sie fortsetzen.

Doch es werden viele Passagiere in den Zug steigen, unsere Geschwister, Cousins, Freunde, die Liebe unseres Lebens. Viele werden aussteigen und eine große Leere hinterlassen. Denn sie entscheiden dies sehr spontan, ohne sich zu verabschieden (bei Unfällen, plötzlichen Todesfällen) oder kündigen schon früh an, dass sie sich ihrem Zielbahnhof nähern (lange Krankheiten). Bei anderen werden wir gar nicht merken, dass sie ausgestiegen sind.

Und bei einigen wissen wir, dass es besser ist, wenn sie aus unserem Zug aussteigen, weil sie nicht gut für uns sind, uns nicht gut tun. Andere wiederum steigen aus und ein paar Haltestellen (Jahre) später wieder ein. Und manche steigen ein und begleiten dich bis zu deiner Zielhaltestelle.

Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschied.

Das große Rätsel ist: Wir wissen nicht, an welcher Haltestelle wir selbst aussteigen müssen. Deshalb müssen wir leben, lieben, verzeihen und immer gut zu uns selbst und anderen sein. Denn wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass wir aussteigen müssen und unser Platz leer ist, sollen nur schöne Gedanken an uns bleiben und für immer im Zug des Lebens weiterreisen. Aber auch wir selbst wollen doch mit dem Gedanken zurückblicken „Das war eine schöne Zugfahrt. Ich will keinen Moment missen. Keine Begegnung, keine Erfahrung, keine Erinnerung. Denn all das hat mein Leben bereichert und mich zu der Person gemacht, die ich bin.“

Ich bin sehr dankbar für die Geschichte vom Zug des Lebens, denn sie hilft mir, besser zu verstehen und zu akzeptieren, warum manche Freundschaften abrupt enden oder irgendwann ins Leere verlaufen. Meistens ist dies der Fall, wenn sich eine Person oder man selbst verändert. Sei es geographisch oder aber die Lebensumstände sich verändern. Umso mehr weiß ich die zu schätzen, die mit mir im Zug des Lebens sitzenbleiben.


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