Ein Tag in Stille

Foto von Kristina Flour auf Unsplash

Hast du schon einmal einen Tag in Stille verbracht? Nein? Dann wird es höchste Zeit! Seit meinem Schweigeseminar tauche ich regelmäßig in die Stille ein. Und das muss nicht immer ein Tag sein, meist reicht auch ein Vormittag. Doch warum still werden?

Stille ist etwas Besonderes geworden in unserer hektischen Welt. Wir sind ständig in Bewegung, unterwegs, erreichbar, gestresst. Es herrscht zuviel Yang in unserem Leben. Daher ist es umso wichtiger, Stille (Yin) ins Leben einzuladen. Tritt einmal wirklich Stille in unser Leben, dann können viele überhaupt nicht damit umgehen. Es meldet sich sofort die innere Unruhe und das Gefühl, etwas tun zu müssen, etwas zu bewegen, produktiv zu sein.

Die Stille schafft eine Umgebung, die dem Geist ermöglicht, sich zu beruhigen und zu fokussieren. In der Abwesenheit von Geräuschen und Ablenkungen kann der Geist klarer denken, sich besser konzentrieren und innere Ruhe finden. Es ist uns möglich, unsere innere Stimme zu hören. Hinzuhören, was sie uns zu sagen hat. Und auch in uns hineinzuspüren, was wir wirklich wollen. Wir sind nicht betäubt von dem, was Außen ist, sondern können uns mit unserem Inneren verbinden. Denn Antworten finden wir nicht im Außen, sie sind in uns. Doch um diese zu hören, müssen wir still werden.

In der Stille wird das Herz ganz laut! Hör hin!

„Yoga citta vritti nirodha“ bedeutet: Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist. Dieser Satz beschreibt zusammenfassend, was (das zentrale Element im) Yoga ist. Stille kann äußerlich und innerlich sein. Sobald die Äußere Stille da ist, wird man mit dem Lärm des Geistes konfrontiert.

Meditieren hilft uns still zu werden. Es ist ein Zustand des sich selbst Beobachtens. Dies ist wirklich das Herz des Yoga und das Ziel aller Asanas – die Fähigkeit mit uns selbst zu sein.

Meditation ist ein intimer Moment nur für dich. Ein Date mit dir selbst. Ein Date mit deiner Seele.

Also werde still und lass dich auf ein ganz besonderes Date ein!

Wie kann ein Tag oder Vormittag in Stille aussehen?

Mache das, was sich für dich gut anfühlt. Gerne kannst du dich an meinem beispielhaften Ablauf orientieren, um eine Idee zu bekommen, wie ein Tag in Stille aussehen könnte.

Ich starte meinen Tag in Stille zum Beispiel gerne mit dem Abendessen und beende ihn am kommenden Tag nach dem Frühstück. Finde für dich heraus, welcher Ablauf sich stimmig anfühlt.

Ich persönlich gebe jedem Tag in Stille auch immer ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Tag zieht. Bei YouTube habe ich mir eine Playlist mit Videos erstellt, auf die ich zurückgreifen kann. Das erspart langes Suchen.

So sieht mein Tag in Stille aus (mit ungefähren Zeitangaben):

  • 08.00-09.30 Uhr: Aufstehen, heißes Zitronenwasser zubereiten (in Thermoskanne abfüllen, dann bleibt es heiß) , Asanapraxis, Pranayama, Meditation, Journaln, Dankbarkeit, Lesen, Tanzen, Schütteln. Zitronenwasser trinken, im Tag ankommen
  • 09.30-10.00 Uhr: Tee, Kaffee oder Kakao achtsam und in Ruhe zubereiten und Schluck für Schluck genießen. Ich persönlich zelebriere die Zubereitung meines Kaffees am Morgen. Bohnen frisch mahlen, den Duft einatmen, Milch aufschäumen – und genießen.
  • 10.00-11.00 Uhr: Einstündige Meditation. In meinem Fall greife ich gerne auf Anapanasati zurück, da ich diese Meditation während meines Schweigeseminars praktiziert habe.
  • 11.00-12.00 Uhr: Dharma-Talk. Ich nutze sehr gerne die Talks von Ajahn Brahm. Die Buddhist Society of Western Australia (Bswa) hat auf YouTube unzählige Talks von ihm hochgeladen.
  • 12.00-13.00 Uhr: Achtsamer Spaziergang inklusive Gehmeditation in der Natur, frühstücken. Im Anschluss Schweigen brechen oder den Schweigetag fortführen.
  • 13.00-17.00 Uhr: Raja-Yoga. Selbststudium, Wissen auffrischen, neues Wissen aneignen, lesen etc.
  • 17.00-19.30 Uhr: Essen vorbereiten, sich dafür Zeit nehmen und in Ruhe genießen.
  • 19.30-20.45 Uhr: Yin Yoga mit Meditation, Pranayama/Breathwork, Yoga Nidra. Nicht alles auf einmal, hier variiere ich auch gerne mal und schau, was zum Thema des Tages passt. Mal angeleitet, mal mit Musik, mal in Stille. Journal und den Tag reflektieren. Was hat sich gezeigt? Wo darf ich genauer hinhören?
  • 20.45-22.00 Uhr: Den Yogaplatz für den nächsten Morgen herrichten. Zeit fürs Bett, lesen. Manchmal mache ich auch gerne zum Einschlafen noch eine Yoga Nidra Session. Gute Nacht!

Ich wünsch dir ganz viel Freude bei deinem Tag in Stille. Hör hin!


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