Als ich das erste Mal las, dass die 24h-Trophy in Fischen Halt macht, war mein 1. Gedanke „Da bin ich so was von dabei!“. Aber kennt ihr das, je mehr Zeit vergeht und je länger ihr über eine Sache nachdenkt, desto unsicherer werdet ihr und fangt an zu (selbst)zweifeln? Schaff ich das wirklich? Was erlaubst du dir zu glauben, dass ausgerechnet DU das packen kannst? Bin ich fit genug? Ist das nicht doch too much für mich? Wieso tust du dir das an? Ja, mein innerer Kritiker hat nicht so nett mit mir gesprochen. Und so hab ich das Buchen der Tickets immer weiter vor mir hergeschoben. Bis ich gesehen habe, dass Tickets verlost werden und ich mir dachte: „Wenn ich gewinne, dann soll’s so sein – und dann ziehst du es auch durch!“ Und tadaa – wer hat gewonnen? ICH!
Der innere Kritiker wurde stiller und stiller, die Selbstzweifel weniger. Denn, wenn ich eines habe, dann mentale Stärke. Und die ist bei diesem Unterfangen enorm wichtig. Die 2400 Höhenmeter und rund 63 Kilometer – ja, wann läuft man so etwas Mal am Stück? Nie! Denn so verrückt ist man nicht. Daher wusste ich auch nicht so recht, was ich zu erwarten hatte.
Was ist die 24h-Trophy?
Die 24h-Trophy findet an mehreren Orten statt.
Es soll dabei das Erlebnis „Im Einklang mit der Natur“ im Vordergrund stehen
und nicht der sportliche Ehrgeiz.
Daher startet die Gruppe gemeinsam, wandert gemeinsam und
läuft nach 24 Stunden auch wieder gemeinsam ins Ziel.
Das WIR zählt, nicht das ICH.
Am Freitag, 7. Juli, führte mich somit mein Weg zur Abholung der Startunterlagen. Letzte Fragen wurden geklärt und ich fühlte mich ruhiger. Da uns ein heißer Tag bevorstand, wurde mir auch noch einmal gesagt, dass für genug Essen und Trinken gesorgt sei. Auf dem Plan, der uns vorher per Mail zugesendet worden war, waren die jeweiligen Stationen, Geh- und Pausenzeiten aufgelistet. Es war alles durchgetaktet und das Team wirkte bestens organisiert!

Fotos: 24h Trophy/Grassl Events.
Nach einer doch recht guten Nacht – ich dachte ich würde vor Nervosität nicht schlafen können – machten wir uns um 6.30 Uhr auf zum Treffpunkt. Es gab noch letzte Informationen über das Verhalten im Naturpark und dann ging es auch schon los.
Und Hallelujah – bereits auf den ersten Kilometern auf gerader Strecke wurde ein beachtliches Tempo vorgelegt. Da kamen sie wieder, die ersten Zweifel. „Bei dem Tempo halt ich nie durch!“ Und so erreichten wir die 1. Pausenstation bereits 1 Stunde früher als geplant.
Da ich den Aufstieg zum Ofterschwanger Horn kenne und über die Alpstraße nicht gern wandere, die Sonne vom Himmel knallte, entschied ich mich, das einzige Stück, das man abkürzen konnte, mit der Bahn zurückzulegen. Dafür musste ich mir einige Sprüche und Blicke gefallen lassen, aber das war mir egal. Und ich war nicht alleine. Auf der Fahrt kam ich mit einem anderen Teilnehmer ins Gespräch und bis die Gruppe an unserer Mittagsstation, der Weltcuphütte, eintraf, unterhielten wir uns blendend.
Nach einem leider eher kleinem, aber leckeren Mittagessen (Hallo, wir wandern, ich brauch Nahrung!) wanderten wir entlang der Hörnerkette und stiegen nach dem Rangiswanger Horn zur Gräfenalpe ab ehe der Aufstieg zur Höllritz-Alpe erfolgte, wo wir mit Kaffee und Kuchen versorgt worden sind. Lecker! Aber Hunger hatte ich immer noch. Die ganzen Riegel, Bananen, Gummibärchen, die es an den Pausenstationen gab, machten mich nicht satt, führten eher zu einem Zuckerschock. Und so sehnte ich das Abendessen herbei, das wir gegen 21 Uhr auf der Köpfle Alpe bekamen. Endlich genug zu essen! Und lecker war’s! Hier ließ ich mir auch das erste Bier schmecken. Die anstrengendsten Etappen waren geschafft!
Doch laut einiger Teilnehmer, die häufiger dabei sind, wartet nun erst die richtige Herausforderung: die Nachtetappe. Hier würden viele aufgeben, da die Müdigkeit einige übermannt und man mit sich selbst beschäftigt ist.
An der letzten Pausenstation zogen wir uns also unsere warmen Schichten an und wanderten durch die Dämmerung in die Nacht hinein. Auf Stirnlampen versuchten wir größtenteils zu verzichten. Was großartig war! Für mich war diese Etappe eine der schönsten. Die Gespräche verstummen, Ruhe kehrte ein. Zeit, um wirklich die Natur zu erleben. Zu sehen, wie ein Stern nach dem anderen erscheint, die Milchstraße zu sehen ist und der Mond aufgeht. Wie die Nacht ihre ganz eigene Melodie spielt.
Bei unserer letzten Pause mitten in der Nacht und ca. 4 Stunden vom Ziel entfernt, nutzten viele die Minuten, um ein Schläfchen zu halten. Ich nutzte jede Pause, um Yoga zu machen und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Und: Um meine Füße jedes Mal mit Hirschtalgcreme einzucremen, um Blasen vorzubeugen.
Die letzte Etappe führte uns entlang des Ochsenbergs. Hier folgte ein Aufstieg, der es noch einmal in sich hatte – und ich sehr froh war, als er endlich vorbei war. Als wir Langenwang erreichten, die Schöllanger Burgkirche bereits zu sehen war, flog ich nur noch und lächelte mir selbst zu. „Du schaffst das! Du hast es fast geschafft! Du kannst stolz auf dich sein!“
Wir warteten auf alle Teilnehmer und wanderten die letzten Meter gemeinsam ins und durchs Ziel. Der Empfang war recht traurig, aber immerhin gab es ein kühles Zielbier und ein leckeres, stärkendes Frühstück. Nach der Urkundenverteilung ging jeder seines Weges! Unser Weg führte uns direkt zur Iller – ein kühles Bad war genau das Richtige nach so einer Tour.
Und am nächsten Tag: Kein Muskelkater, nichts! Danke Yoga! Danke Körper, das du Unglaubliches geleistet hast. Danke, danke, danke! Ich bin so verdammt stolz auf mich!

Fazit: Wandern im Einklang mit der Natur, ein Event, bei dem es darum geht, sich gegenseitig zu motivieren und gemeinsam ins Ziel zu kommen. Ein Event, bei dem die Natur im Vordergrund steht. So wurde die 24h-Trophy beschrieben. Doch leider war dies nicht ganz der Fall.
Die Organisation war gut. Die Infos vorab waren super, die Ausgabe der Startunterlagen war herzlich und gut, um letzte Fragen zu klären. Leider erfolgte hier die erste Falschinfo, dass ich mir ums Essen keine Sorgen machen müsste, es würde ausreichend geben. Ja, wenn man Riegel, Obst, Nüsse, Gummibärchen und eine kleine Suppe in den ersten 9 Stunden als ausreichend bezeichnet, dann vielleicht. Von anderen Teilnehmern wurde ebenfalls der Wunsch nach salzigen Snacks, Käse, Brezeln oder Ähnliches laut. Der regionale Bezug fehlte komplett, vom Müll, den die kleinen Packungen verursachten mal ganz abgesehen.
Mir persönlich fehlte das Gruppengefühl. Auch wenn ich viele nette Gespräche hatte, merkte man schnell, dass die Gruppe in zwei Lager geteilt war. Die „Schnellen“ und die „Langsamen“. Man hatte das Gefühl, dass es doch darum ging, als erstes ins Ziel zu kommen. Wir waren kurz vorm Abendessen sogar fast 2 Stunden schneller als geplant. Guide Eddy, der hinten ging, meinte nur „Wenn wir so hetzen, fehlt später die Kraft, durchzuhalten!“ Doch das war dem Guide vorne egal. Während an manchen Stationen gerade der letzte ankam, wurde vorne bereits weitergegangen mit den Worten „Wir warten schon solange!“ Dass wir aber genug Zeit haben, um zu warten – egal.
Aus Gesprächen hörte man heraus, dass einige die Tour nur mitmachen, um am Momtag auf der Arbeit erzählen zu können, was sie Tolles geleistet haben. Sie machen die Tour, um einen Punkt auf der Liste abzuhaken, die Natur haben sie gar nicht wahrgenommen. Als wir an Weidegattern warteten, bis einer nach dem anderen drüber oder durch ist, wurde bereits gepöbelt, warum denn schon wieder Pause gemacht wurde. Als ich erwiderte, dass man es als Meditation oder achtsame Pause sehen kann, musste ich mir anhören „Bin ich etwa unentspannt? Was bildest du dir ein, mir mit Entspannung zu kommen!“ Ich lächelte nur und antwortete nicht.
Leider waren auch die Guides sich nicht grün. Der Guide vorne lief zum 1. Mal eine 24h Trophy, Eddy hinten, der eigentlich als Frohnatur gilt, sagte selbst, dass er nicht gut drauf ist. Was man spürte. Er gab mir von Anfang an das Gefühl, dass er nicht glaubt, dass ich es packe. Erst nutze ich die Bahn, dann mache ich dauernd Yoga, creme meine Füße ein und lauf mit der hinteren Gruppe. So konnte ich mir bei seinen Glückwünschen auch nicht den Spruch verkneifen „Hast wohl nicht gedacht, dass ich es packe, oder?“
Ich weiß, dass die Trophy das erste Mal in den Hörnerdörfern stattfand, daher ist einiges damit zu entschuldigen. Dennoch würde ich sie nicht noch einmal machen. Dafür fehlte mir das Naturerlebnis, Infos über die Region, durch die wir laufen, das Gruppengefühl. Ich fühlte mich wie eine getriebene Herde.
Und wandern in der Gruppe? Nichts für mich! Dafür war mir die Gruppe mit 70 Teilnehmern zu groß. Auch wenn ich mich dem Tempo angepasst habe, lauf ich gerne mein eigenes Tempo und bleibe auch mal stehen, um die Aussicht, die Natur, die Berge zu genießen und innezuhalten.
Dennoch war es einzigartiges Erlebnis, auf das ich sehr stolz bin!

