Als wir im Winter 2022/23 an der Algarve waren, fielen uns hier und da Infoschilder auf. Schilder, die auf die Rota Vicentina, ein Netz aus Wanderwegen, aufmerksam machten. Einer davon hatte es uns besonders angetan: der Fisherman‘s Trail.
Was ist der Fisherman’s Trail?
Der Trail ist 226,5 km lang und besteht aus 13 Etappen.
Der Fischerweg beginnt in S. Torpes, südlich der Hafenstadt Sines, und endet in Lagos an der Algarve.
Der Name „Fischerweg“ kommt übrigens daher, weil die Einheimischen von der felsigen Küste aus fischen.
Sich auf dem Fischerweg zu orientieren ist nicht schwer – der Wanderweg ist grün-blau markiert.
Eine der Etappen, von Vila do Bispo nach Sagres, nahmen wir uns direkt vor. Da diese bereits wunderschön war und man kaum jemanden traf, stand fest: Wenn wir zum Überwintern 23/24 nach Portugal fahren, wandern wir vorher den Fisherman‘s Trail.
Gesagt, getan. Von Lissabon nahmen wir den Bus nach Porto Covo. Die Fahrt dauert ca. 2,5 Stunden, kann online via Rede Expressos (16,50 Euro, Stand: November 2023) gebucht werden. Die Tickets sind 30 Tage vorher online verfügbar. In der Hauptsaison sollte man schnell sein: Dann sind die Busse häufig ausgebucht, auch wenn es mehrere Verbindungen am Tag gibt.
Wir haben vorab alle Unterkünfte gebucht. Ist in der Nebensaison nicht zwingend notwendig, aber wir wollten uns nicht in jedem Ort erst auf die Suche begeben, im Internet recherchieren etc. Dadurch waren wir zwar nicht so flexibel, was unsere „Rest Days“ anging, da wir diese jedoch nach meinem Zyklus geplant haben, wussten wir somit bereits, wann wir einen Tag Pause machen. Und günstiger war es ebenfalls.
Etappe 1: Porto Covo – Vila Nova de Milfontes, 20 km, 6-8 Stunden
Sandpfade, Strände, Dünen – das beherrschende Thema des ersten Tages war SAND! Und während wir gefühlt einen Schritt vor und zwei zurück gehen, genießen wir das Meeresrauschen im Ohr. Sobald man den Kopf hebt und die See im Blick hat, entschädigt dies sofort für alle Strapazen!



Etappe 2: Vila Nova de Milfontes – Almograve, 15 km, 4 Stunden
Vila Nova de Milfontes liegt am Fluss Rio Mira – und über den muss man gleich am Anfang dieser Etappe rüber. Hierfür kann man entweder eine Fähre nehmen (fährt im Winter jedoch nicht immer. Kosten sollen bei 5 Euro liegen) oder den Umweg über die Brücke im Landesinneren in Kauf nehmen. Man läuft nur kurz entlang der Straße ehe der Pfad nach der Brücke durch einen kleinen Wald mit den berühmten Korkeichen führt.
Die erste Hälfte der Etappe führt über Wirtschaftswege durch Wiesen, leider ohne Blick auf’s Meer, ist dafür aber wunderbar zu gehen. Ab dem Praia do Brejo Largo geht es dann wieder direkt an der Küste weiter – auf Sandpfaden.





Etappe 3: Almograve – Zambujeira do Mar, 21,5 km, 7 Stunden
Der Tag startet mit … Sand. Auf den ersten 2 km wandert man noch auf einem Fahrweg, danach kommen Dünen, so weit das Auge reicht. Doch es geht direkt an der Küste entlang, und die ist wirklich spektakulär.
Hinter dem kleinen Dorf Cavaleiro, in dem wir in einer Snack Bar Pause machen, erreicht man den Leuchtturm von Cabo Sardão. Hier kann man die erste Störche sehen, die auf den schroffen Felsen ihre Nester haben. Was übrigens eine Besonderheit in Portugal ist.
Hinter dem Cabo Sardão folgt der Fischerweg ca. 8 km lang bis Entrada da Barca einem Wirtschaftsweg, sodass man gut Tempo machen kann. Entrada da Barca ist ein winziger Fischerhafen.
Die letzten 3 km bis Zambujeira do Mar geht es leider an der Straße entlang. Man könnte sich hier easy mitnehmen lassen – aber hey, die letzten Kilometer schaffen wir jetzt auch noch.




Etappe 4: Zambujeira do Mar – Odeceixe, 18,5 km, 6-7 Stunden
Eine traumhafte, wenn auch anstrengende Etappe. Der Pfad geht auf und ab – an manchen Stellen sogar recht steil. Die Küste ist wild und einsam, und immer wieder hocken Störche auf den Felsen. Weiter geht es entlang der Felsküste, durch den kleinen Ort Azenha do Mar (mit einem sehr guten Fischrestaurant), bis die Klippen plötzlich enden und den Blick auf den Strand von Odeceixe und die Mündung des Ribeira de Seixe freigeben.
Die letzten 4 km geht es über eine Asphaltstraße in den landeinwärts gelegenen Ort Odeceixe. Ein Weg, der sich zieht. Aber mit guter Laune und Gesang ist man dann doch schneller da als gedacht – oder lag es an der Flasche Wein, die wir im Restaurant getrunken haben?

Etappe 5: Odeceixe – Aljezur, 22,5 km, 7 Stunden
Die ersten 3,5 km führen über eine Asphaltstraße zurück zur Küste. Dort wandert man eine knappe Stunde entlang der Küste. Der Weg biegt dann ins Landesinnere ab und berührt die Küste nur noch einmal. Ansonsten trabt man den meisten Teil dieser Etappe über Feldwege und Asphaltstraßen.
Wir treffen nun immer wieder bekannte Gesichter. Da jeder viele Pausen macht, um die Schönheit des Weges zu genießen, überholt man sich gegenseitig recht oft am Tag. Und in der Nebensaison, wo sowieso nicht alles auf hat, trifft man sich entweder in der gleichen Unterkunft, im Supermarkt oder Restaurant wieder. Man kann also alleine wandern, seinen Gedanken nachhängen, abends aber auch die Gemeinschaft suchen, wenn man möchte.



Etappe 6: Aljezur – Arrifana, 17 km, 4 Stunden
Sobald man Aljezur verlassen hat, führen die ersten Kilometer an der Straße entlang, ehe man zum Praia de Monte Clérigo kommt. Hier laden Restaurants zum Verweilen ein. Wir genießen unser mitgebrachtes Frühstück am Strand und lassen uns den Wind um die Ohren wehen.
Wir folgen dem Pfad ehe wir bei einem Strand unsere Rucksäcke oben liegen lassen und einen Weg runterklettern. Gibt es einen schöneren Ort für einen Mittagssnack?
Unsere Unterkunft liegt nicht in Arrifana Strand, sodass wir vorher ins Landesinnere abbiegen.
Einige kürzen diese Etappe ab, indem sie von Aljezur den Historischen Pfad durchs Landesinnere nach Arrifana wandern. Kann man gut machen, vor allem, wenn man mal ein wenig Pause braucht oder bis nach Carrapateira durchwandert.



Etappe 7: Arrifana – Carrapateira, 21,5 km, 6-7 Stunden
Von Arrifana geht es entlang eines Wirtschaftsweges wieder bis an die Küste, wo wir an einem traumhaften Spot frühstücken. Danach ist der Weg jedoch recht unscheinbar. Wir folgen Wirtschaftswegen. Und ich kämpfe. Es ist schwül, ich werde von Mücken zerstochen, kämpfe mit Druckstellen an meinen beiden kleinen Zehen, hab einen Cut am Fußballen. Sprich: Jede Stunde wechsel ich zwischen Birkenstocks und Turnschuhen hin und her.
Irgendwann kommen wir wieder an die Küste und sehen das Ausmass der Brände, die im Sommer an der Algarve loderten. Es ist erschreckend, wieviel zerstört wurde. Sehen aber auch, wie die Natur sich langsam erholt und sich zurückkämpft.
Am Strand von Bordeira verweilen wir eine Weile ehe wir den Ribeira da Carrapateira queren und die letzten Meter in den kleinen Ort hineinlaufen.



Etappe 8: Carrapateira – Vila do Bispo, 16 km, 5 Stunden
Von allen Etappen des Fischerpfads bietet diese die atemberaubendsten Szenarien. Sie war für mich daher auch eine der schönsten Etappen. Zum Einen machten mir die Höhenmeter – bei dieser Etappe sind 500 Hm zu bewältigen – nichts aus, zum Anderen hab ich meine Füße so gut getaped, dass ich regelrecht fliege. Den schweren Rucksack auf dem Rücken spüre ich sowieso seit Tagen nicht mehr. Immer wieder bleiben wir stehen und genießen die eindrucksvolle Aussicht. Wir können uns nur schwer von diesem Ausblick lösen, ehe es landeinwärts Richtung Vila do Bispo geht. Die letzten 8 km sind zwar recht unspektakulär, aber da es unsere letzte Etappe ist, genau richtig, um die Tage Revue passieren zu lassen.




Meine Tipps:
- Unterschätz den Trail nicht! Wenige Höhenmeter, überschaubare Distanzen – und dennoch brauchst du Zeit. Zeit, um dich durch den Sand zu kämpfen, aber auch um die Aussicht zu genießen.
- Nimm genug Wasser mit! Es gibt kaum Möglichkeiten, sein Wasser aufzufüllen. Wir hatten jeder 1,5 Liter dabei und haben teilweise in Restaurants aufgefüllt – soweit es möglich war.
- Brech rechtzeitig auf! So entgehst du der Mittagshitze. Im Herbst/Winter wird es außerdem schon früh dunkel.
- Weniger ist mehr! Im Grunde brauchst du bei schönem Wetter 2 Outfits. Eines, das du zum Wandern trägst und eines, dass du abends trägst. Such dir ab und zu eine Unterkunft mit Waschmaschine und wasch durch!
- Denk an Sonnenschutz! Auch wenn es bewölkt ist und es nicht den Anschein macht: Trag regelmäßig Sonnenschutz auf und nimm Hut/Cap und Sonnenbrille mit. Mit Sonnenstich wandert es sich nicht mehr so leicht.
- Orientierung: Lad dir auf der Homepage der Rota Vicentina die GPX Daten runter. Wir haben die App vom Alpenverein genutzt und hatten so die Route griffbereit. Denn aufgrund der Brände wurde man zum Teil umgeleitet. Wir haben die Karte nur wenige Male nutzen müssen, da der Weg wirklich gut ausgeschildert ist.
- Gepäcktransport: Wie hatten unsere großen Backpacks dabei, da wir im Anschluss ja noch drei weitere Monate bleiben wollten. Dadurch hatten wir natürlich viele Sachen dabei, die wir nicht auf dem Trail brauchten. Dennoch wollten wir unser Gepäck selbst tragen, statt den Gepäcktransfer zu nutzen. Du kannst nämlich auch mit einem Tagesrucksack wandern und dir dein Gepäck Tag für Tag in die nächste Unterkunft transferieren lassen. Praktisch, aber irgendwie zuviel Luxus für uns. Für uns gehört es nicht nur in den Bergen, sondern auch an der Küste dazu, unser Gepäck selbst zu tragen. Außerdem liebe ich dieses Gefühl, wenn man ankommt, den Rucksack von den Schultern streift und sich einfach nur leicht fühlt.